Schreiben

 Warum ist Schreiben so schwer?

Schreiben ist nicht leicht. Wer das behauptet, der lügt. Schreiben ist aber auch kein Geniestreich, kein Hexenwerk, kein durch irgendwelche Musen uns zufallendes Himmelsgeschenk. Es ist ein Handwerk oder es ist eine Kunst. Man kann es lernen, man kann es üben, und man kann Schritt für Schritt zum Meister werden.

Die beste Beschreibung der Schwierigkeit des Schreibens stammt von Achim Brosziewski: „Im Unterschied zum richtigen Gespräch müssen beim Schreiben alle Kommunikationsprobleme von einer Person allein bewältigt werden. Die ganze Verantwortung für die soziale Situation ist dem Autor oder der Autorin allein auferlegt.“

Was macht einen guten Text aus?

Hier eine Auswahl von Fragen, die ich an einen Text stelle und die ich meinen Coachees helfe zu beantworten:

Was ist die Botschaft? – Ebenso wie ein mündliches Beziehungsangebot braucht auch ein Text eine Botschaft. Je klarer der Autor diese Botschaft vor Augen hat, je mehr er sie schärft, je genauer er sie auf die angepeilte Zielgruppe zuschneidet, desto besser wird sie ankommen.

Wer ist die Zielgruppe? – „Zielgruppe“ ist nicht eine marketingtechnische Größe. „Zielgruppe“ ist die Vorstellung von meinem kommunikativen Gegenüber, die ich mir mache, während ich den Text schreibe – während ich entscheide, ob ich dies oder jenes rein- oder raustue, ausführlich oder kurz beschreibe, begrifflich oder empathisch formuliere, usw.

Wie fühle ich mich in den Leser ein? – Ein guter Text ist ein impliziter Dialog zwischen Autor und Leser. Er organisiert sich weniger um die Frage: Was weiß der Autor? Was hat er für Material? Was will er mitteilen?, als  um die Frage: Was will der Leser wissen? Was interessiert ihn? Was überzeugt ihn? Was braucht er, um mit seinen Bedürfnissen abgeholt zu werden und sich von den angebotenen Inhalten einfangen zu lassen?  

Wie gliedere ich den Text? – Texte zu gliedern ist schwer, denn jeder Text muss eine nicht-lineare, komplex verwobene Realität in eine lineare Sequenz übersetzen. Dafür gibt es immer mehrere mögliche Lösungen, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Es gilt, die relativ beste herauszufinden.

Wie finde ich die richtigen Worte? – Alles, was man sagen kann, kann man auf tausenderlei Arten sagen. Es lohnt sich, die richtigen Worte, den richtigen Tonfall, das richtige „Feeling“ zu finden. Denn das Wort, das schwarz auf weiß dasteht, wirkt – sehr viel mehr als das gesprochene Wort, das sich oft im Fluss des Moments verwischt.

Wie komme ich als Autor rüber? – Jede Kommunikation vermittelt Informationen über ihren Absender. Auch ein Text enthält implizit eine Selbstdarstellung des Autors, die umso wirkungsvoller ist, je subtiler und hintergründiger sie ausfällt – je eleganter sie sich in dezent eingestreuten Hinweisen und zwischen den Zeilen mitvermittelten Vibes versteckt und die direkte Selbstauskunft des Wer-bin-ich und Was-mache-ich vermeidet.


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