Jeder, der einen Text schreibt, kennt diese Frage. Es ist erstaunlich schwer, Dinge, die man mündlich problemlos sagen kann, zu verschriftlichen und dafür die richtigen Worte zu finden. Man sitzt dann vor dem Bildschirm und fragt sich: Was blockiert mich? Warum kann ich das, was ich schon oft und erfolgreich gesagt habe, nicht zu Papier bringen oder in die Datei bringen?
Die Antwort ist: Mündliche und schriftliche Kommunikation funktionieren nach radikal verschiedenen Gesetzen. Die geschriebene Sprache muss viel präziser, pointierter, durchgearbeiteter sein als die gesprochene Sprache, damit sie denselben Inhalt rüberbringt.
Beim mündlichen Sprechen hat man viele Möglichkeiten, etwas zu formulieren, die im Kopf des Empfängers alle ungefähr dasselbe bewirken. Auf die feinen Unterschiede kommt es nicht so sehr an: Die Botschaft kommt, auch gestützt auf nonverbale Signale, beim Empfänger an, und die genaue Wahl der Worte verfließt im Fortgang der Kommunikation.
In einem Text dagegen wirkt jedes Wort. Das Wort, das schwarz auf weiß dasteht, ist hundertmal klarer, schärfer, eindeutiger, einprägsamer, endgültiger als das gesprochene Wort. Es gibt keine Toleranz, es gibt keine nonverbale Umrahmung, und es gibt kein Zurück – denn jedes Zurück hätte man vorher machen können, und wenn man es nicht gemacht hat, dann steht das Wort für sich.
Deshalb ist Schreiben eine eigene Kunst, die man lernen und üben kann. Schreiben ist nicht eine Transkription dessen, was wir sagen. Es ist eine ganz eigene Art, sich auszudrücken und sich der Welt mitzuteilen.
Diese Art zu lernen und zu lehren, dafür ist systemisches Schreibcoaching da. Das ist ein Ansatz, den ich entwickelt habe am Schnittpunkt von wissenschaftlichem Schreiben und systemischer Beziehungsarbeit. Wenn ich dazu etwas aufschreibe – so wie hier –, sehe ich jedes Mal selbst, wie mühsam es ist, die richtigen Worte zu finden, die das, was ich sagen will, in genau der richtigen Reihenfolge und der bestmöglichen Formulierung ausdrücken, und dass ich dafür ungefähr hundertmal länger brauche als in der spontanen mündlichen Formulierung. Aber ich vertraue darauf, dass es sich lohnt.